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Windpark Schlaiten, kein Schönheitspreis

Letztlich geht es um die Frage, ob Ästhetik die einzige Kategorie sein kann, wenn es darum geht, in der Energiewirtschaft Ziele zu erreichen. Windräder müssen keinen Schönheitspreis gewinnen. Wir haben uns auch an andere Anblicke gewöhnt, die nicht unbedingt schön sind. 

Hochspannungsleitungen im Waldgebiet

Der eigentliche Streitpunkt der in der Windenergiedebatte die Emotionen steuert, ist die Ästhetik. Aber leider werden alle anderen Themen vorgeschoben, um gegen die Windkraft mobil zu machen: Flächenbedarf, Rodungen, Jagd, Schattenwurf, Infraschall und Mikroplastik.

Der Standard schreibt in einem Artikel am 16. April 2026:
Ob Windkraft schön ist, sollte in der Energiepolitik keine Kategorie sein.
Wenn Politiker Windräder vor allem nach Ästhetik bewerten, wird es unseriös. Eine Industrieanlage muss keinen Schönheitspreis gewinnen – sie soll nützlich sein.
Fürsprecher der erneuerbaren Energien könnte das zum Widerspruch verlocken, Windkraftanlagen seien doch gar nicht hässlich. Aber das wäre die falsche Diskussion. Schönheit sollte in der Energiewirtschaft keine Kategorie sein – oder zumindest eine untergeordnete. Auch die Staumauer eines Wasserkraftwerks, eine Autobahn und ein Industriehafen bedeuten Eingriffe in die Landschaft.

https://www.derstandard.at/story/3000000316852/

Niemand kann gezwungen werden, Windräder schön zu finden. Es werden aber auch nicht viele Menschen diese Giganten als schön empfinden. Fürsprecher der erneuerbaren Energie empfinden die Anlagen eher als interessant oder imposant.

Wenn Landschaftsbilder verändert werden, stellt sich immer die Frage, ob der Nutzen den Eingriff rechtfertigt und es ist verständlich, dass Gegenstimmen laut werden. Der Bau vom Eiffelturm in Paris löste vor 140 Jahren Proteste aus. Der Bau vom Kernkraftwerk Zwentendorf um 1970 löste ebenfalls Proteste aus. 50,47 % lehnten im Rahmen einer Volksabstimmung im Jahre 1978 die Inbetriebnahme ab. Einige Jahre später führte die Besetzung der Hainburger Au dazu, dass ein Kraftwerksprojekt an der Donau aufgegeben wurde.

1989 musste auch die TIWAG die Pläne für ein gigantisches Speicherkraftwerk im Kalser Dorfertal mit einer 220 Meter hohen Staumauer nach erbitterten Protesten der Bevölkerung aufgeben. Auch eine kleine Schottergrube am Ortseingang kann das Landschaftsbild verändern.

Ganz provokant könnte man jetzt z.B. folgenden Rückschluss ziehen: „Hätten unsere Eltern und Großeltern damals nicht gegen Zwentendorf gestimmt, müssten wir uns heute nicht mit der Windkraft herumschlagen.“ So einfach ist das aber nicht: Das AKW Zwentendorf hätte eine Nettoleistung von 692 Megawatt gehabt. Dies entspricht ungefähr 115 Windräder mit einer Leistung von 6 MW. Die Zeit hat uns überholt. In Österreich sind bereits 1.451 Windkraftanlagen mit einer Nennleistung von über 4.000 MW in Betrieb. Dies entsprich fast 6 AKW’s vom Typ Zwentendorf.

Dass die Energiegewinnung sauber und nachhaltig sein soll, darüber sind wir uns einig.
Dass die Energiegewinnung für unser Auge nicht störend sein darf, darüber sind wir uns nicht mehr so einig.
Und dass die Energiegewinnung, die nicht unserem Bild von Ästhetik entspricht, nicht bei uns passieren darf, auch darüber sind wir uns nicht einig.

Für solche Spannungsfelder gibt es einen Diskurs, der angeregt sein soll, aber nicht unbedingt dramatisch sein muss.